Chronik Abend mit W.Ziege

Amtsblatt Nuthe-Urstromtal, 7. Dezember 2006

Liebätz: Historischer Abend mit Werner Ziege

Mehr als ein Drittel der Einwohner von Liebätz war gekommen, um den facettenreichen Streifzug des Ortschonisten Werner Ziege durch die Jahrhunderte Liebätzer Historie mitzuverfolgen. Zunächst war ja die Einladung zum "Chronik-Abend" insbesondere für die "Neu-Liebätzer" gedacht, die mehr über die Geschichte des heutigen Liebätz erfahren wollten, in dessen Gemeinschaft sie sich eingegliedert haben. Doch auch viele Alt-Liebätzer fühlten sich vom Thema angezogen. So fand Werner Ziege ein voll besetztes Auditorium, dem er aus seinen in Jahrzehnten akribisch zusammengetragenen historischen Quellen die Liebätzer Ortsgeschichte nachzeichnete.

Funde steinzeitlicher Werkzeuge am 200 m südlich der heutigen Liebätzer Kirche gelegenen Horstberg belegen eine vorgeschichtliche Besiedlung. Der denkmalgeschützte Ortskern des "brandenburgischen Rundlings" Liebätz gruppiert sich um die Kirche. Die erste urkundlich dokumentierte Kirche wurde 1598 gebaut, im gleichen Jahr erhielt Liebätz seine eigene Schule. Kirche und Schule dienten auch den Einwohnern von Märtensmühle. Immer wieder brannte das aus schilfgedeckten Fachwerkhäusern bestehende Dorf nieder, so am 30. Mai 1637 im dreißigjährigen Krieg. Erst 1655 konnte wieder eine Kirche gebaut werden. Nach dem Großbrand von 1789 erließ das Amt Zinna eine Bauvorschrift, dass Wohnhäuser und Ställe getrennt zu bauen sind.

Die heutige Liebätzer Kirche ist ein 1856 errichtetes neugotisches Bauwerk, das nach der Zerstörung in den letzten Kriegstagen von der Dorfgemeinschaft wieder errichtet und in den letzen Jahren mit viel Liebe denkmalgerecht instand gesetzt wurde. Eine Besonderheit sind die Glocken, die einen für das Spätmittelalter typischen Klang repräsentieren. Beim Einbringen in das Glockengestühl 2002 hatte die Liebätzer freiwillige Feuerwehr unersetzliche Dienste geleistet.

1805 stand Liebätz unter Wasser, weil die Nuthe durch das Holzschwemmen stark versandet war und der Wassermüller Fröhlich in Scharfenbrück seine Schütze aufgezogen hatte, das Wasser staute sich bis Spandau. Die Liebätzer setzten mit einer Beschwerde bei der Königlich Kurmärkischen Domänenkammer durch, dass dem Müller das Betrieben der Wehre untersagt wurde. Wiederkehrende Maßnahmen der Nuthe-Regulierung 1775, 1868 und in den 1950er Jahren zwangen die füher mäandernde und den Liebätzer See mit Frischwasser speisende Nuthe in ein festes Bett, der einst für seinen Fischreichtum berühmte Liebätzer See ist längst verlandet. Über Jahrhunderte war der See eine für die Ortsansässigen ergiebige Erwerbsquelle gewesen und hatte Liebätz für die Herrschaft wirtschaftlich interessant gemacht: so wurde die "Steuer" nach Zinna neben Naturalien in Dienstleistungen beim Fischfang entrichtet, von Zinna entsandte Fischer waren in Liebätz zu beherbergen. Dem 1171 gegründeten Zisterzienser-Kloster Zinna verdankt Liebätz auch seine älteste gesicherte Erwähnung in einer Urkunde, derzufolge 1285 Liebätz dem Kloster übereignet wurde.

Zum Abschluss des Abends kam der Wunsch auf, in einer weiteren Veranstaltung auf Sitten und Gebräuche des alltäglichen Lebens im historischen Liebätz einzugehen. Zudem sollte die Ortsgeschichte auf der Liebätzer Internetseite verfügbar gemacht werden.
Th. Friedl

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