Auszug aus der Chronik Liebätz

Die auf dieser Seite veröffentlichten Auszüge aus der Ortschronik Liebätz, wurden in mühevoller Arbeit und mit viel Zeitaufwand von Herrn Werner Ziege zusammengetragen und zu Papier gebrach

Liebätz  - Geschichte  - Name  - Kirchenwesen

Bereits im 6./7. bis zum 12. Jahrhundert gab es im Raum Liebätz slawische Besiedlungen. Die urkundliche Ersterwähnung geht nach neueren Erkenntnissen auf das Jahr 1226/66 zurück, nachdem man sich lange auf eine Urkunde des Staatsarchivs Magdeburg aus dem Jahr 1285 bezog.
Die Schreibweise des Ortsnamen wechselte. 285 Lubetz,1435 zu dem Sehe Lubecz, 1534 Lubetzk, 1598 Lubeetz und ab 1775 Liebäz.
Der noch immer gut erhaltene Rundling ( die Häuser sind rund um die Kirche gebaut ) bestätigt die ursprünglich wendische Siedlung.
Das heute von saftigen Wiesen und Ackern umgebene Dorf in der Nuthe-Niederung lag auch ein einem fischreichen See, der seit etwa 1935 völlig verlandet ist.
Das Dorf lag bis zu der ersten Nuthe-Regulierung inmitten von Erlenbüschen und Sumpf und hatte nur einen Zugang nach Westen. Noch heute bezeichnet man Liebätz als zu den Buschdörfern gehörig. Die Dorfbewohner trieben Ackerbau, Viehzucht und Fischfang. Fast jeder Hof hatte zwei Kähne. Luckenwalde wurde von hier aus reichlich mit Fisch versorgt. Jeder Besitzer musste für das Fischereirecht zwei Scheffel Roggen an das Amt in Zinna zahlen. Im Ackerbau wurden hauptsächlich Flachs und Hanf angebaut und in der eigenen Weberei verarbeitet.
Im Jahre 1813 wurden 9 Wispel und 15 Metzen Leinen und Hanf auf 192 Morgen und 150 Quadratruten zur Saat ausgebracht. Zu dieser Zeit gab es ein Lehngut ( den Lehnschulzen ) 9 Bauern, 2 Kossaten, 5 Büdner, ein Schulhaus, ein Gemeinde-Kuhhirtenhaus und ein Gemeinde Pferde- und Schweinehirtenhaus. Betrieben wurden 5 Webstühle von 4 Webern mit je 2 Gehilfen. Dazu kam noch ein Schneider.
Gegen 1860 endete die Fischerei, der Flachs - und Hanfanbau und somit auch die Weberei. Ein Grund dafür war, dass zu dieser Zeit in Luckenwalde immer mehr Industrie entstand. Durch die Fabrikabwässer wurde die Nuthe sehr stark belastet, so das der Fischbestand wesentlich zurückging.

1 Scheffel = 16 Metzen =  ca. 55 Liter ( in Preußen )
1 Wispel = 13,2 Hektoliter
1 Quadratrute = 12 Fuß = 14,2 m²  ( in Preußen )

Liebätz war zunächst in Luckenwalde eingekircht. Die Dorfbewohner liefen am Sonntag über den Kirchsteig zum Gottesdienst nach Luckenwalde. Da die Zahl der Gottesdienstbesucher durch die umliegenden Dörfer sehr hoch war, wurden mehrere Gottesdienste bis in den Nachmittag hinein abgehalten. So entschloss man sich 1598 in Liebätz eine Tochterkirche zu errichten. Im Jahre 1605 vernichtete ein Großbrand alle Bauernhäuser und am 30. Mai 1637
( Dreißigjähriger Krieg ) wurde das ganze Dorf von plündernden schwedischen  Soldaten niedergebrannt.
Das Dorf wurde wieder erbaut , aber erst 1655 konnte die zweite Kirche erbaut werden. Diese zweite Kirche erreichte ein Alter von 200 Jahren, jedoch musste dann bereits der Turm abgestützt werden. Wegen drohender Einsturzgefahr wurde dann ein Neubau angeregt. Im Jahr 1856 war die dritte Kirche in neugotischem Baustil in ihrer jetzigen Gestalt vollendet. Leider wurde aus Kostengründen auf einen Turm verzichtet.
In den letzten Kriegstagen des zweiten Weltkrieges brannte die Kirche am 1. Mai 1945 durch Artilleriebeschuss völlig nieder. 1950 begann dann der Wiederaufbau und 1952 wurde das Gotteshaus eingeweiht. Erst nach der Wende wurde es möglich das vom Feuer und den Granaten beschädigte Mauerwerk zu restaurieren. Im Jahr 2000 erfolgte dann eine Erneuerung der Dacheindeckung. Der letzte Höhepunkt war die Glockenweihe im Frühjahr 2002.

Erinnerungen Liebätz am 24 März 1944

Die Luftangriffe auf deutsche Industriegebiete und Städte werden immer heftiger. Es vergeht kaum eine Nacht in der nicht die Sirenen heulen und die Bevölkerung in die Schutzräume ruft. Waren die Bombenangriffe bisher meist in den Nachtstunden, so wurden die Bombengeschwader immer dreister und flogen bei herrlichem Sonnenschein zu Hunderten in Richtung Berlin.
Im Rundfunk kam die Meldung: Feindliche Kampfflugzeuge im Raum Hannover-Braunschweig mit Kurs auf die Reichshauptstadt. Kaum war diese Meldung erfolgt, ertönten die Sirenen. Frauen und Kinder suchten mit kleinem Handgepäck die Luftschutzräume auf, während die Männer, die noch hier waren, die Koebe-Spritze TS8 an den einzigen Brunnen im Dorf anschlossen. In der Nähe des Brunnen gab es einen Erdbunker, in dem die Männer Schutz suchten. Im Dorf waren mehrere Keller zu Schutzräumen umgebaut. Dort wurden die Decken durch Balken und Baumstämme abgesteift und ein Fenster diente als Notausstieg. Es war 22:00 Uhr als die Sirenen heulten.
In Abständen gingen wir manchmal aus dem Luftschutzkeller, um zu sehen was sich am Himmel tat. Fielen in der näheren Umgebung Bomben, so verursachten diese einen heilend pfeifenden Ton bis sie am Boden detonierten. Hörte man so ein Geräusch, blieben nur Sekunden um in den Keller zu gelangen. In dieser Nacht spielte sich eine schreckliche Luftschlacht über unseren Dörfern ab.
Offensichtlich war das Nachtjägergeschwader " Wilde Sau " , das in Jüterbog stationiert war, noch einmal zu einem Großangriff auf die feindlichen Bomber aufgestiegen. über Berlin stand schon ein riesiger Feuerschein. Plötzlich dieser heulende Ton. Alle stürzten in den Keller und schon erbebten die Häuser durch mehrere Explosionen. Man hörte das Prasseln von herabstürzenden Dachziegeln und das klirren von zerberstenden Glasscheiben.
Dann Ruhe ? Gott sei Dank, das Haus ist nicht eingestürzt. Erst bei Morgengrauen war ersichtlich was geschehen war.
Eine Luftmine war auf dem Acker gegenüber von Schmidt's eine weitere hinter dem Bugberg explodiert. Zahlreiche Brandbomben lagen auf den Feldern oder hatten die Dächer durchschlagen und lagen , ohne gezündet zu haben auf den Hausböden. Genau über Liebätz traf ein Nachtjäger einen Bomber so empfindlich. dass dieser in der Luft regelrecht explodierte. Eine Tragfläche traf das Torhaus von Felgentreu's und landete auf dem Dorfplatz neben der Kirche. Ein großer Treibstofftank lag auf der  Westseite der Kirche. überall lagen kleine Aluminiumfetzen und Verstrebungsteile von dem explodierten Flugzeug.
Die vier Motoren und weitere Teile vom Rumpf fielen auf die alten Nuthewiesen und stecken noch heute in dem Wiesenmoor.
Vier der fünf Besatzungsmitglieder stürzten ebenfalls auf die zu dieser Zeit unter Wasser stehende Wiese. Ihr Körper hatte sich bis zur hälfte in das Wiesenmoor gebohrt. Der fünfte Pilot erreichte die Erde noch lebend, denn sein Fallschirm war noch zum Teil geöffnet. Man fand ihn am Morgen tot an  an einem Gartenzaun sitzend, mit einem aufgerissenen Verbandspäckchen in der Hand.
Alle fünf wurden ohne militärische Ehre und ohne Geistlichen auf dem Friedhof in Liebätz beigesetzt. Unmittelbar nach Kriegsende wurden die Toten in ihre Heimat überführt.

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